Offener Brief an die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg zur reduzierten Auszahlungsquote im 1. Quartal 2024 im hausärztlichen Bereich

Sehr geehrte Mitglieder des Vorstandes der KVBB,
sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Auszahlungsquote für das erste Quartal 2024 nur bei 97,779 % lag. Diese Entwicklung neutralisiert die im Vorfeld angekündigte Punktwertsteigerung von 3,85 % nahezu vollständig. Für uns Hausärztinnen und Hausärzte bedeutet dies abermals, dass bei steigenden Personal-, Energie- und Mietausgaben kein hinreichender Inflationsausgleich stattfindet und wir erneut Einkommenseinbußen hinnehmen müssen.

In Anbetracht des drohenden Hausarztmangels und der bereits bestehenden primärmedizinischen Unterversorgung der Patienten ist dies in keiner Weise hinnehmbar. Diese Situation widerspricht eklatant der Ankündigung, die hausärztliche Versorgung zu stärken und zukunftssicher zu gestalten. Unter diesen Bedingungen ist es sicher nicht möglich, weitere ärztliche Kolleginnen und Kollegen für eine ambulante primärmedizinische Versorgung zu gewinnen.

Unverständnis und Unmut empfinden wir insbesondere in Bezug auf Ihre Kommunikation dieser Entwicklung. Dass wir erst mit der Honorarabrechnung vom Juli 2024 durch eine kleine, unauffällige Notiz in Kenntnis gesetzt wurden und dass Ihnen diese für uns wichtige Information erst nach mehreren Nachfragen eine knappe, unpersönliche und völlig unempathische Mitteilung auf der Website wert war, ist mehr als bedauerlich. Dies suggeriert, dass Ihnen die Tragweite dieser negativen Entwicklung entweder nicht bewusst oder – viel schlimmer noch – völlig egal ist.

Uns ist bewusst, dass die KVBB keinen unmittelbaren und unlimitierten Einfluss auf die Honorierung der Fachgruppen hat. Dennoch erwarten wir von unseren Standesvertretern, dass wir zeitnah und transparent über solche Entwicklungen informiert werden und dass sich die Kommunikation zwischen KVBB und Ärzteschaft insgesamt umfassend, wertschätzend und konstruktiv gestaltet.

Am wichtigsten ist uns jedoch, dass Sie als Vertretung der ambulanten Ärzteschaft diese eklatante Fehlentwicklung medienwirksam an die entscheidenden Stellen bei den Krankenkassen und in der (Landes-)Politik kommunizieren und sich aktiv für unsere Interessen einsetzen. Ein einfaches „nach unten durchreichen“ genügt hier nicht und wird Ihrer Aufgabe nicht gerecht.

Dieses Schreiben werden wir als offenen Brief auch auf der Internetseite unseres Vereins veröffentlichen, an alle Kolleginnen und Kollegen in Brandenburg senden und in den sozialen Medien teilen, um eine breite Diskussion anzustoßen. Zusätzlich werden wir diese Fehlentwicklung offen an unsere Patienten kommunizieren, dabei auch alle beteiligten und verantwortlichen Akteure (KVBB, Kassen, Politik) benennen und um breite Unterstützung werben.

Da sicher allen Beteiligten eine bedarfsgerechte und breit verfügbare hausärztliche Grundversorgung von hohem Interesse ist, hoffen wir auf eine zeitnahe Antwort Ihrerseits. Sehr gerne stehen wir Ihnen auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um die jeweiligen Positionen zu erläutern und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Für eine Terminvereinbarung können Sie sich direkt an mich oder den Vorstand des Vereins Herrn Dr. med. Ulrich Wüllenkemper wenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Hendrik Poller

sowie

Dr. med. Verena Ernst
Claudia Gutsch
Dr. med. Volker Kleine
Anke Langbehn
Dr. med. Ingo Musche-Ambrosius
Dr. med. Kirsten Radtke
Dr. med. Claudia Ritterath
Jessica Rüther
Dr. med. Beate Schiller
Dr. med. Julia Stoy

jeweils Mitglieder des Vereins für fachärztliche Primärmedizin in Potsdam e. V.

Antwort der Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg zur reduzierten Auszahlungsquote im 1. Quartal 2024 im hausärztlichen Bereich

Lesen Sie hier das Antwortschreiben der KVBB.